Welche Kräuter passen zusammen in einen Topf?
Unter den Suchanfragen, mit denen Leute auf dieser Website landen, sind Kräuterpaare die grösste Gruppe, allen voran: Kann man Rosmarin und Thymian zusammen pflanzen? Die Antwort ist ja, und mit ihr lassen sich auch die meisten anderen Küchenkräuter sortieren. Es kommt fast immer auf zwei Dinge an: wie viel Wasser die Pflanzen wollen und zu welcher Familie sie gehören.
Inhalt dieses Artikels (8 Abschnitte)
- 1Die Kurzfassung: drei Gruppen und ein Einzelgänger
- 2Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano, Lavendel: der Mittelmeertopf
- 3Die richtige Erde für Mittelmeerkräuter
- 4Basilikum: der Durstige in der Runde
- 5Petersilie, Koriander, Dill: nicht zusammen
- 6Minze bekommt immer einen eigenen Topf
- 7Wo der Kräutertopf hinkommt
- 8Über den Winter
Die Kurzfassung: drei Gruppen und ein Einzelgänger
Wir haben die gängigen Küchenkräuter paarweise durch die Naschbalkon-Mischkulturprüfung geschickt, dieselbe, die hinter dem Mischkultur-Check steckt. Heraus kommen vier Gruppen:
- Die Trockenen: Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano und Lavendel. Jedes Paar daraus ist grün, sie wollen alle wenig Wasser und magere Erde.
- Die Durstigen: Basilikum und Schnittlauch. Mit den Trockenen geht es nur gelb, weil der Wasserbedarf zu weit auseinanderliegt.
- Die Doldenblütler: Petersilie, Koriander und Dill. Untereinander rot, mit allen anderen meist unproblematisch.
- Der Einzelgänger: Minze. Sie bildet Ausläufer und überwuchert jeden Mitbewohner, deshalb immer ein eigener Topf.
Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano, Lavendel: der Mittelmeertopf
Die fünf passen paarweise zusammen; die Begründung steht jeweils auf der Paarseite, etwa für Rosmarin und Thymian, Rosmarin und Salbei oder Lavendel und Rosmarin. Für den gemeinsamen Topf zählt dann vor allem die Erde, die sie sich teilen. Wir rechnen für jedes Kraut mit einem Mindestvolumen und zählen zusammen:
Thymian und Oregano passen damit noch in einen Standard-Balkonkasten. Rosmarin, Thymian und Salbei brauchen einen Kübel mit rund 30 cm Durchmesser. Wer alle fünf zusammen will, nimmt einen Pflanzsack oder verteilt sie auf zwei Töpfe.
Vorsicht bei Majoran und Bohnenkraut: Sie gehören zur selben Familie wie die fünf. Neben Rosmarin, Thymian, Salbei und Lavendel ist das gelb, Oregano und Majoran stehen auf Rot, weil die beiden nah verwandt sind und sich Schaderreger teilen.
Die richtige Erde für Mittelmeerkräuter
Die Mittelmeerkräuter wollen es mager und durchlässig. Die Bayerische Gartenakademie schreibt, dass die meisten Kräuter bei zu starker Düngung mastig werden und weniger Aroma entwickeln. Für Topf und Kasten empfiehlt sie spezielle Kräutererde und Gefässe mit Abzugsloch, damit keine Staunässe entsteht.
Für Rosmarin nennt das Rosmarin-Merkblatt der Gartenakademie eine eigene Mischung: etwa 40 Prozent Rindenkompost, 40 Prozent Gartenerde und 20 Prozent Bims oder Blähton. Gartenkompost gehört ausdrücklich nicht hinein, er ist für Rosmarin zu nährstoffreich. Dieselbe Mischung taugt für den ganzen Mittelmeertopf.
Torffreie Erde ist laut dem Merkblatt Balkongemüse aus Umweltgründen vorzuziehen.
Basilikum: der Durstige in der Runde
Basilikum passt nicht zu den Mittelmeerkräutern, obwohl er wie sie ein Lippenblütler ist. Er braucht deutlich mehr Wasser: Im Topf muss er laut Bayerischer Gartenakademie täglich gegossen werden, und anders als die genügsamen Kräuter will er nach jedem Schnitt etwas Dünger.
- Raus erst ab Mitte Mai. Unter 10 °C stockt das Wachstum, schon leichter Frost schadet (Basilikum-Merkblatt).
- Gekauftes Topfbasilikum ist zu dicht gesät. Die Gartenakademie rät, es zu zwei bis drei Pflanzen in neue Töpfe zu verteilen und eventuell auf zwei bis drei Blattpaare einzukürzen.
- Geerntet wird etwa eine Handbreit über der Erde, einige Blätter bleiben stehen. Dann treibt die Pflanze ein zweites Mal aus.
- Gute Gesellschaft: die Tomate, siehe Tomaten im Topf.
Petersilie, Koriander, Dill: nicht zusammen
Alle drei sind Doldenblütler, und die Möhrenfliege findet ihre Wirtspflanzen über den Geruch, den diese Familie teilt. Deshalb stehen Petersilie und Koriander, Petersilie und Dill und Dill und Koriander bei uns auf Rot. Mit anderen Kräutern vertragen sie sich dagegen gut, Dill und Schnittlauch sind sogar ein grünes Paar.
Koriander ist einjährig und stirbt ab, sobald er Samen gebildet hat, so die Royal Horticultural Society. Überwintern lohnt also nicht. Bei heissem, trockenem Wetter schiesst er schnell in die Blüte; für Blätter im Sommer empfiehlt die RHS einen kühleren Platz ohne Mittagssonne und alle paar Wochen eine neue kleine Aussaat. Im Topf trocknet er schneller aus als im Beet, also täglich nachsehen.
Minze bekommt immer einen eigenen Topf
Minze bildet Ausläufer, die Bayerische Gartenakademie setzt dahinter in ihrer Kräuterliste sogar ein Ausrufezeichen. Im gemeinsamen Topf überwuchert sie nach einer Saison alles andere. Deshalb steht sie bei uns mit jedem anderen Kraut auf Rot. Ein eigener Topf mit fünf Litern genügt ihr, sie verträgt Sonne und Halbschatten und braucht viel Wasser.
Wo der Kräutertopf hinkommt
Die meisten Küchenkräuter wollen einen sonnigen bis leicht schattigen Platz. Ausgerechnet pralle Südsonne mögen sie laut dem Merkblatt Balkongemüse nicht. Rosmarin ist die Ausnahme: Für ihn nennt die Gartenakademie einen windgeschützten Platz nach Südost oder Südwest als ideal.
- Sonnig: Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano, Basilikum, Majoran, Bohnenkraut.
- Sonnig bis halbschattig: Petersilie, Dill, Minze, Zitronenmelisse, Kerbel, Rucola.
- Für den Nordbalkon also eher Petersilie, Minze und Kerbel als Rosmarin und Thymian.
- Die Einteilung stammt aus der Kräutertabelle der Bayerischen Gartenakademie.
Über den Winter
Mehrjährige Kräuter können laut Merkblatt Balkongemüse in ausreichend grossen Gefässen mit Winterschutz auf dem Balkon bleiben, bei starkem Frost besteht aber die Gefahr, dass sie erfrieren. Rosmarin ist der Grenzfall. Die Gartenakademie empfiehlt, ihn als Kübelpflanze zu halten und frostfrei bei 5 bis 10 °C an einem hellen Platz zu überwintern, gegossen wird dann nur alle zwei bis drei Wochen. Neuere Sorten wie 'Arp' sollen laut Züchter bis minus 20 °C aushalten, darauf verlassen sollte man sich im Topf nicht. Basilikum, Koriander und Dill werden jedes Jahr neu gesät.
Die Einzelheiten stehen in Kräuter auf dem Balkon überwintern.
Passende Steckbriefe im Lexikon
Aussaatfenster, Topfgrösse und Nachbarn für die Kulturen aus diesem Artikel.








Quellen
- Bayerische Gartenakademie (LWG), Merkblatt 2166: Kräuter zum Frischverzehr aus dem eigenen Garten
- Bayerische Gartenakademie (LWG), Merkblatt 2178: Rosmarin, Duft des Südens (Oktober 2014)
- Bayerische Gartenakademie (LWG), Merkblatt 2151: Basilikum, ein königliches Kraut (Mai 2020)
- Bayerische Gartenakademie (LWG), Merkblatt 2105: Balkongemüse
- Royal Horticultural Society (UK): How to grow coriander