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Erdbeeren im Topf: Anleitung für Balkon und Ampel

Bei Erdbeeren im Topf fällt die wichtigste Entscheidung beim Kauf. Eine einmaltragende Sorte, im Frühling gepflanzt, trägt im ersten Jahr kaum etwas. Eine immertragende Sorte trägt bis in den Herbst.

Inhalt dieses Artikels (8 Abschnitte)
  1. 1Welche Sorte in den Topf gehört
  2. 2Wann gepflanzt wird
  3. 3Topf, Kasten oder Ampel
  4. 4Welche Erde, und wie tief pflanzen
  5. 5Giessen, düngen, Ausläufer
  6. 6Wenn Früchte krumm bleiben oder faulen
  7. 7Überwintern und erneuern
  8. 8Was neben Erdbeeren passt

Welche Sorte in den Topf gehört

Auf Sortenlisten und in Merkblättern im deutschsprachigen Raum stehen vor allem zwei Typen: einmaltragend und immertragend, gleichbedeutend mit «mehrmals tragend» oder «remontierend». Was hinter den Begriffen steckt, steht im Lexikon. Für die Wahl auf dem Balkon reicht eine Frage: Wann willst du ernten?

  • Diesen Sommer und bis in den Herbst: eine immertragende Sorte. Die Bayerische Gartenakademie nennt für den Hausgarten 'Selva', 'Mara des Bois' und 'Ostara'. Die zweite Ernte im Spätsommer fällt kleiner aus als die erste.
  • Eine grosse Ernte für Konfitüre, dafür erst nächstes Jahr: eine einmaltragende Sorte, im Spätsommer gepflanzt.
  • Für die Ampel: 'Elan', von der Bayerischen Gartenakademie ausdrücklich für Balkon und Ampel empfohlen. Sie trägt laut Züchter auch an den Ausläufern und gilt laut Sortenliste als sehr wenig anfällig für Grauschimmel.
  • Für den Halbschatten: Wald-Erdbeeren. Die Früchte sind klein, aber sie kommen mit weniger Sonne aus als die Garten-Erdbeere.

Die meisten Erdbeeren brauchen keine zweite Sorte zur Bestäubung, ein Topf mit einer Sorte genügt. Ausnahme sind die alten, besonders aromatischen Liebhabersorten wie 'Mieze Schindler' oder 'Direktor Paul Wallbaum': Sie sind laut Bayerischer Gartenakademie nicht selbstfruchtbar. Die Sächsische Gartenakademie nennt für 'Mieze Schindler' als Befruchter etwa 'Senga Sengana'.

Erdbeeren im Topf: volle Sonne, durchlässige Erde.
Erdbeeren im Topf: volle Sonne, durchlässige Erde.

Wann gepflanzt wird

Bei einmaltragenden Sorten entscheidet der Pflanztermin über die Ernte im nächsten Jahr. Wer zu spät pflanzt, erntet im Folgejahr weniger.

  • Einmaltragende Grünpflanzen, also getopfte Jungpflanzen: Ende Juli bis Anfang August, so die Bayerische und die Sächsische Gartenakademie. Bei späterer Pflanzung fällt der Ertrag im Folgejahr geringer aus.
  • Frigopflanzen sind Ausläufer, die im Spätherbst gerodet, entblättert und bei −2 °C eingefroren wurden. Sie werden laut Landratsamt Esslingen von April bis Anfang Juli gepflanzt; im Pflanzjahr bringen sie nach der Bayerischen Gartenakademie nur einen kleinen Ertrag, der Hauptertrag folgt im zweiten Jahr.
  • Immertragende Sorten im Topf: im Frühjahr, sobald sie im Handel stehen.
  • Hänge-Erdbeeren: Mitte März bis Mitte Mai oder September bis Mitte Oktober.

Topf, Kasten oder Ampel

3LErde pro Pflanze für eine Saison
25–45cmTopftiefe für mehrere Jahre (USA)
4Pflanzen pro 30-cm-Topf, höchstens

Erdbeeren wurzeln flach. Für eine einzige Saison genügt deshalb ein Standard-Balkonkasten von 15 cm Tiefe mit rund drei Litern Erde pro Pflanze; auch die Bayerische Gartenakademie nennt den Balkonkasten als Platz für Jungpflanzen. Wer sie mehrere Jahre halten will, nimmt laut Royal Horticultural Society ein grosses Gefäss.

Eine Grössenangabe aus Europa haben wir nicht gefunden. Die Oregon State University in den USA empfiehlt für mehrjährige Topfkultur 25 bis 45 cm Tiefe und mindestens 30 cm Durchmesser, ein solcher Topf fasst bis zu vier Pflanzen. Die beliebten Erdbeertürme und Pflanztaschen taugen dort zufolge meist nur für eine Saison, weil jede Pflanze zu wenig Erde hat.

In Ampeln und Hängekörben trocknet die Erde besonders schnell aus, schreibt die RHS. Dort ist tägliches Giessen im Sommer die Regel.

Welche Erde, und wie tief pflanzen

Erdbeeren reagieren laut Sächsischer Gartenakademie sehr empfindlich auf Staunässe, in nasser Erde nehmen Wurzelkrankheiten zu. Die Erde muss also vor allem gut abfliessen, und der Topf braucht ein Abzugsloch. Die RHS nennt torffreie Universalerde oder Erde auf Lehmbasis; die Bayerische Gartenakademie beschreibt den Wunschboden als locker und humos.

  1. Topf mit Abzugsloch füllen, die Erde leicht andrücken.
  2. Pflanzen 25 bis 30 cm auseinander setzen, wie es auch die Bayerische Gartenakademie für das Beet angibt.
  3. So tief pflanzen, dass das Herz, der kurze Stamm in der Mitte, genau auf Höhe der Erde sitzt. Zu tief gepflanzt fault es, zu hoch gepflanzt trocknet die Pflanze schnell aus, so die RHS.
  4. Gründlich angiessen und die ersten Wochen gleichmässig feucht halten.

Giessen, düngen, Ausläufer

Im Topf trocknen Erdbeeren schneller aus als im Beet, regelmässiges Giessen ist deshalb das Wichtigste. Gegossen wird an die Wurzel, am besten morgens, nicht über Herz und Früchte: Nasse Früchte begünstigen Grauschimmel, schreibt die RHS.

Beim Düngen gilt Mass halten. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein rät, im Frühjahr nicht zu viel Stickstoff zu geben, als Vorbeugung gegen Grauschimmel.

Überzählige Ausläufer werden abgeschnitten, damit es im Topf nicht zu eng wird; das Landratsamt Esslingen rät dazu, damit sich die Pflanzen kräftig entwickeln. Ausnahme sind Hängesorten wie 'Elan', die laut Kulturblatt des Züchters ABZ an den Ausläufern blühen und tragen.

Wer selbst vermehren will, darf gesunde Ausläufer anwurzeln lassen. Nach einigen Jahren Eigenvermehrung rät die Bayerische Gartenakademie aber zu gekauften Jungpflanzen, weil die Sorteneigenschaften nachlassen.

Wenn Früchte krumm bleiben oder faulen

Krüppelfrüchte entstehen laut Bayerischer Gartenakademie durch Frost und mangelnde Befruchtung. Wie viel Bienen dabei ausmachen, hat ein Versuch der Universität Göttingen gezeigt: Von Bienen bestäubte Erdbeeren waren schwerer, seltener missgebildet, fester und länger haltbar als wind- oder selbstbestäubte, ihr Marktwert lag um 39 Prozent über windbestäubten.

  • Krumm, mit kleinen, unentwickelten Stellen: unvollständige Bestäubung oder Frost während der Blüte.
  • Braune Stellen an unreifen Früchten, die weichfaul werden und einen mausgrauen Pilzrasen bekommen: Grauschimmel, vor allem bei feuchter Witterung (Sächsische Gartenakademie).
  • Grauschimmel vorbeugen: nicht zu dicht pflanzen, nicht von oben giessen, Stroh unter die Früchte, regelmässig alle Früchte pflücken. Befallene Früchte entfernen und laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nicht kompostieren.
  • Auf dem Balkon hilft es, Blühpflanzen für Bienen danebenzustellen, etwa Borretsch.

Überwintern und erneuern

Erdbeeren sind winterhart; die RHS stuft etwa 'Elan' als H6 ein, winterhart in ganz Nordeuropa. Das gilt aber für Pflanzen im Boden. Im Topf fehlt der isolierende Boden ringsum.

  1. Den Topf an eine geschützte Hauswand stellen, wo es ein paar Grad wärmer ist (Öko-Test).
  2. Stroh zwischen die Pflanzen geben, nicht über sie, sonst werden sie anfälliger für Krankheiten.
  3. Bei Dauerfrost zusätzlich mit Reisig abdecken und es danach wieder abnehmen.
  4. An frostfreien Tagen gelegentlich giessen. Den Schutz im Frühjahr nicht zu früh entfernen, Spätfröste sind besonders gefährlich.

Ewig tragen Erdbeeren nicht. Für gute Früchte empfiehlt die Bayerische Gartenakademie, ein Erdbeerbeet nur zwei Jahre stehen zu lassen; das Landratsamt Esslingen nennt höchstens drei, die RHS bis zu vier Jahre. Danach sinkt der Ertrag und Krankheiten nehmen zu. Wer neu pflanzt, nimmt frische Erde.

Was neben Erdbeeren passt

Gute Nachbarn sind Schnittlauch, Knoblauch, Spinat und Pflücksalat, auch Borretsch, dessen Blüten zusätzlich Bienen anlocken.

Nicht dazu gehören Himbeere, Kohlrabi und Palmkohl. Und weil Kartoffeln den Bodenpilz Verticillium beherbergen, kommen Erdbeeren laut Sächsischer Gartenakademie nicht in Erde, in der vorher Kartoffeln standen.

Passende Steckbriefe im Lexikon

Aussaatfenster, Topfgrösse und Nachbarn für die Kulturen aus diesem Artikel.

Quellen